Was ist eine Darmfunktionsstörung?
Darmentleerungsstörungen sind weit verbreitet
Verstopfung, Stuhlinkontinenz oder auch eine Kombination aus beidem werden als Darmfunktionsstörung oder Darmentleerungsstörung bezeichnet. Eine Verstopfung ist durch Schwierigkeiten beim Entleeren des Dickdarms aufgrund von zum Beispiel seltenem Stuhlgang oder schwer auszuscheidendem Stuhl gekennzeichnet.
Menschen, die an einer Darminkontinenz (Stuhlinkontinenz) leiden, können die Stuhlabgabe nicht kontrollieren, und Stuhl tritt aufgrund einer Grunderkrankung unkontrolliert aus dem Rektum aus.
Stuhlinkontinenz
Darminkontinenz ist der Verlust der Kontrolle über die Darmentleerung. Dies kann vom gelegentlichen Abgang einer kleinen Menge Stuhl und Blähungen bis hin zur Unfähigkeit reichen, den Stuhlgang zu kontrollieren. Manche Menschen mit Darminkontinenz haben Stuhldrang (Dranginkontinenz), sind aber möglicherweise nicht in der Lage, den Stuhlgang zu halten, bis sie eine Toilette erreichen. Andere Menschen verspüren keinen Stuhldrang (passive Stuhlinkontinenz), und es kommt zum unwissentlichen Abgang von Stuhl oder Blähungen.
Inkontinenz kann in den folgenden Fällen ein Problem darstellen:
- Der Stuhldrang tritt plötzlich auf, und es ist nicht möglich, rechtzeitig die Toilette zu erreichen.
- Die Unterwäsche ist verschmutzt, ohne dass die Notwendigkeit eines Toilettengangs bemerkt wurde.
- Manchmal kommt es zusammen mit dem Abgang von Blähungen zu einer ungewollten Stuhlabgabe.
- Man hat Angst, das Haus zu verlassen, wenn man nicht weiß, wo sich die nächste Toilette befindet.
- Die Angst vor „Unfällen“ verhindert, dass man das Haus verlässt, sofern dies möglich ist.
Verstopfung
Verstopfung kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen: Symptome einer Verstopfung sind zum Beispiel seltener Stuhlgang, schmerzhafter Stuhlgang, ein Gefühl der unvollständigen Entleerung und Schwierigkeiten beim Ausscheiden von hartem Stuhl. Dies kann andere Probleme wie Blutungen, Hämorrhoiden oder Schmerzen verursachen. Manche Menschen haben mehrere der oben genannten Symptome, während andere nur an einem der Symptome leiden.
Verstopfung ist in den folgenden Fällen wahrscheinlich:
- Der Stuhlgang tritt seltener als 3-mal pro Woche auf.
- Der Stuhl ist oft schwer auszuscheiden.
- Der Stuhl ist oft trocken, hart oder klumpig (Typ 1–2 gemäß der Bristol-Stuhlformen-Skala).
- Der Stuhlgang wird vom Gefühl einer unvollständigen Entleerung begleitet.
Darmfunktionsstörungen sind sehr weit verbreitet. Dennoch suchen viele Menschen hierzu keinen Rat, weil sie nicht wissen, wo sie Hilfe erhalten können. Oder sie haben Angst oder schämen sich, über ihre Probleme zu sprechen. Es hilft zu wissen, dass man mit dem Problem nicht allein ist. Bei Symptomen einer gestörten Darmentleerung sollten Sie immer eine Ärztin oder ein Arzt aufsuchen. Dann kann die Ursache der Symptome diagnostiziert werden, und Ihnen werden Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Was verursacht eine Darmfunktionsstörung?
Darmfunktionsstörungen, die als Verstopfung oder als Stuhlinkontinenz auftreten können, sind häufig lediglich Symptome und nicht Erkrankungen an sich. Deshalb ist es wichtig, die Ursache der Darmfunktionsstörungen herauszufinden. In manchen Fällen ist die Ursache komplex, und es gibt viele Faktoren, die dazu beitragen. In anderen Fällen können die Darmfunktionsstörungen mit bestimmten Umständen zusammenhängen – zum Beispiel dem Alter, den Folgen einer Entbindung oder einer Operation oder mit Krankheiten, wie zum Beispiel neurologischen Erkrankungen.
Deshalb dürfen Sie keine Selbstdiagnose stellen, sondern sollten sich durch eine Ärztin oder einen Arzt untersuchen lassen. So lassen sich die zugrunde liegenden Ursachen diagnostizieren und behandeln
Nachfolgend finden Sie eine Übersicht über die verschiedenen Ursachen und Erkrankungen im Zusammenhang mit Darmfunktionsstörungen:
Anorektale Fehlbildung
Kinder, die mit anorektaler Fehlbildung (ARM) oder Hirschsprung-Krankheit geboren werden, haben ein Spektrum von Anomalien des Rektums und des Analkanals. Selbst nach chirurgischen Eingriffen haben diese Kinder häufig weiterhin Probleme, ihren Stuhlgang zu kontrollieren.
Neurologische Erkrankungen
Auch neurologische Erkrankungen können zu Symptomen wie Inkontinenz oder Verstopfung führen. Einige der nachstehend aufgeführten neurogenen Erkrankungen können Darmprobleme verursachen:
- Rückenmarksverletzung
- Multiple Sklerose
- Spina bifida
- Parkinson-Krankheit
Nach einer Darmoperation
Nach der Behandlung eines Rektumkarzinoms (Rektumresektion) können Probleme auftreten. Wer an häufigem oder unvollständigem Stuhlgang, akutem Stuhldrang oder Schwierigkeiten beim Abführen leidet, hat einige der typischen Symptome nach tiefer vorderen Rektumresektion „Low Anterior Resection Syndrome“ (LARS). Diese Symptome können 3 bis 9 Monate nach der Operation andauern, in einigen Fällen halten sie jedoch bis zu 18 Monate oder länger an.
Nach einer Entbindung
Aufgrund von Schäden am Analsphinkter während der Entbindung können manchmal selbst nach einer Korrekturoperation Darmentleerungsstörungen auftreten.
Eine Folge einer oder mehrerer Entbindungen kann ein schwacher Beckenboden sein, der eine Vorwölbung des Rektums in die Scheide (Rektozele) verursacht. Eine Rektozele kann zu einer unvollständigen Entleerung des Rektums und darauf folgend zum Stuhlschmieren führen.
Lebensweise und Alter
Auch die Lebensweise kann die Darmfunktion beeinflussen. Bei mangelnder körperlicher Betätigung kann es zu einer Schwächung des Beckenbodens kommen, was eine Stuhlinkontinenz nach sich ziehen kann. Regelmäßiges, physisches Training hingegen hat eine positive Wirkung auf Stuhlinkontinenz und Verstopfung.
Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme und eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung können die Kontrolle über den Darm verbessern.
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Darmfunktion, und das Risiko von Verstopfung oder Stuhlinkontinenz steigt. Darmfunktionsstörungen nehmen mit dem Alter zu. Daher betrachten viele Menschen sie fälschlicherweise als einen unvermeidbaren Teil des Alterungsprozesses. Infolgedessen ersuchen ältere Menschen und ihre Angehörigen häufig nur ungern um Hilfe.
Wie wirkt sich eine Darmfunktionsstörung auf das Leben aus?
Eine Darmfunktionsstörung kann die Lebensqualität beeinträchtigen.
Darmentleerungsstörungen sind in der Regel nicht lebensbedrohlich, sie können jedoch negative Wirkung auf den Alltag haben.
Mit Darmentleerungsstörungen zu leben kann die Lebensqualität wesentlich einschränken – im Privaten, aber auch beruflich, indem möglicherweise Leistungsfähigkeit und Planbarkeit eingeschränkt sind. Darmfunktionsstörungen können, wenn sie nicht richtig behandelt werden, zur Isolation führen. So werden beispielsweise Einladungen abgelehnt, oder Aktivitäten werden aufgrund von Angst wegen unkontrollierter Darmtätigkeit eingeschränkt.
Hygiene
– Zusätzliche Anstrengungen und Kosten bei der Körperpflege
– Bedarf an spezieller Unterwäsche
– Vorsichtsmaßnahmen bei der Auswahl der Kleidung
Psyche
– Schuldgefühle/Depression
– Verlust des Selbstwertgefühls
– Scham, Verlegenheit
– Angst vor Kontrollverlust und Gerüchen
Körper
– Einschränkung der körperlichen Aktivität
– Einstellen von sportlicher Betätigung
– Keine Spaziergänge oder Radtouren am Wochenende
Arbeitsumfeld
– Abwesenheit vom Arbeitsplatz
– Verringerte Effizienz und Flexibilität
– Verlust der Arbeitsstelle
Sexualität
– Vermeidung von Intimität und Sexualität
Mobilität
– Planung abhängig von der Verfügbarkeit von Toiletten
– Wegfall von Ausgehen, Reisen und Urlaub
– Mangelnde Flexibilität in Bezug darauf, wo oder wie man Freizeit verbringen kann
Soziales
– Weniger Sozialkontakte
– Isolierung
– Mangelnde Akzeptanz der Außenwelt
– Probleme in der Familie
Es kann frustrierend sein, mit einem Problem zu leben, welches viel Unbehagen und Unannehmlichkeiten verursacht, und welches für die Familie und Freundinnen und Freunde – und sogar für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte – unerkannt bleibt. Darmprobleme sind noch immer ein Tabuthema. Deswegen erhalten manche Menschen keine Unterstützung dabei, diese Problem zu lösen.
Mögliche Probleme aufgrund von Darmfunktionsstörungen werden von Menschen unterschiedlich erlebt. Das erschwert eine effektive Behandlung. Eine Möglichkeit, die Lebensqualität zu verbessern, besteht darin, sich zu informieren und „Expertin“ oder „Experte“ in eigener Sache zu werden. Wenden Sie sich an eine Ärztin oder an einen Arzt, wo Sie Unterstützung und Hilfe erhalten können, und reden Sie mit Ihren Angehörigen offen über Ihre Situation.
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